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Mobifunkstrahlung – Gesundheitsschädigend?

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Das Smartphone am Ohr, das per WLAN vernetzte Büro und Zuhause oder die allgegenwärtigen Mobilfunkmasten – es gibt heutzutage kaum einen Lebensbereich, in dem man sich einer permanenten Mobilfunkstrahlung entziehen könnte. Mittlerweile gehört es zum „notwendigen“ Arbeits- und Lebensstandard, überall telefonieren, E-Mails abrufen und im Internet surfen zu können. Doch inwieweit rächt sich dieser sorglose Umgang mit der Mobilfunkstrahlung in zwanzig oder dreißig Jahren in Bezug auf die Gesundheit? Oder ist die Strahlung vollkommen harmlos und sind kritische Stimmen nicht mehr als bloße Panikmache?

Fakt ist: Mobilfunkstrahlung und die damit verbundenen elektromagnetischen Wellen führen zu einer geringfügigen Erwärmung des Körpergewebes. Dabei zählt der Mobilfunk – ebenso wie Rundfunk und Mikrowellen – zu den hochfrequenten Wechselfeldern, die eine Frequenz zwischen 30 kHZ und 300 GHz besitzen.  Die aufgenommene Energie wird als spezifische Absorptionsrate (SAR) bezeichnet und in Watt pro Kilogramm (W/kg) gemessen. Dabei erhöht sich die Körpertemperatur bei SAR-Werten von 4 W/kg innerhalb von 30 Minuten etwa um ein Grad Celsius. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz kann es beim Überschreiten dieses Schwellenwertes über einen längeren Zeitraum zu gesundheitsschädlichen Wirkungen durch Erwärmung (thermischer Effekt) kommen, weshalb der hierzulande geltende Grenzwert bei einem SAR-Wert von 2 W/kg liegt.

Tausende Studien, keine eindeutigen Ergebnisse

Doch reicht dieser Grenzwert aus? Und lässt sich Mobilfunkstrahlung generell als Auslöser für Krankheiten wie Tumorbildungen ausschließen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich bislang weltweit tausende von Studien – mit den unterschiedlichsten Ergebnissen. „Mittlerweile existiert eine erhebliche Datenbasis an Forschungsergebnissen über biologische Wirkungen elektromagnetischer Felder. Aktuell listet die Datenbank der RWTH Aachen über 15.000 Studien und Forschungsberichte hierzu auf“, berichtet Dirk Ellenbeck, Leiter Kommunikation bei Vodafone Deutschland. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt hierzu: „Im Gebiet biologischer Effekte und medizinischer Anwendungen nichtionisierender Strahlung sind während der vergangenen 30 Jahre circa 25.000 Artikel veröffentlicht worden. Auch wenn manche Leute das Gefühl haben, es müsste mehr Forschung betrieben werden, sind die wissenschaftlichen Kenntnisse auf diesem Gebiet heute umfangreicher als die über die meisten Chemikalien.“

Beide Aussagen bestätigt Dagmar Wiebusch, Geschäftsführerin des Informationszentrums Mobilfunk e.V. (IZMF): „Die Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks sind vielfältig, sowohl was die erforschten Krankheitsbilder als auch die Forschungsmethodik angeht.“ Allerdings sollte man die Forschungslage differenziert betrachten. Es gibt Studien, so Wiebusch weiter, die sich allein mit Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen befassen, andere untersuchen ausschließlich eine mögliche Krebsentwicklung. Die eine Forschergruppe wertet Bevölkerungsstatistiken aus, andere arbeiten ausnahmslos mit Zellproben, eine dritte nur mit Versuchstieren. Von daher ist es laut Dagmar Wiebusch nicht verwunderlich, dass die daraus resultierenden Ergebnisse sehr unterschiedlich und nur schwer vergleichbar sind.

Dr. Peter Nießen, Leiter des EMF-Instituts in Köln und des Fachinstituts für elektromagnetische Verträglichkeit zur Umwelt (EMVU), kritisiert grundsätzlich, dass es nur wenige Studien gibt, die wirklich „ergebnisoffen“ an die Untersuchung der Problematik herangehen und jegliche Art gesundheitlicher Auswirkungen in Betracht ziehen. „Solche Studien sind – auch finanziell – sehr aufwendig. Viel einfacher und damit kostengünstiger sind Studien, die nur einen einzigen Endpunkt untersuchen, etwa ob durch Handytelefonieren die spezielle Hirntumorart Gliom xyz ausgelöst wird“, so Peter Nießen. Zumeist reiche die Anzahl der untersuchten Personen dann nicht für ein statistisch signifikantes Ergebnis aus.

Dennoch kann Peter Hensinger von Diagnose-Funk e.V. in Stuttgart eine eindeutige Studienlage verweisen: „So stellte das Ecolog-Institut nach einer Auswertung aller Studien zum Thema Handy und Spermienschädigung im Oktober 2011 fest, dass von 27 weltweit veröffentlichen Studien 22 ein Schädigungspotential zeigen“, berichtet Hensinger. Nach Meinung des Instituts „sollten daher gerade junge Männer mit späterem Kinderwunsch aus Vorsorgegründen darauf achten, ihr Mobiltelefon nicht eingeschaltet am Gürtel oder in der Hosentasche zu tragen.“

Besonders gefährdet: Kinder und Jugendliche

Hierzulande hat sich unter anderem das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) der Forschung verschrieben. Im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF) wurden von 2002 bis 2008 54 Forschungsvorhaben zum Thema Mobilfunk aus den Bereichen „Biologie“, „Dosimetrie“, „Epidemiologie“ und „Risikokommunikation“ durchgeführt (www.emf-forschungsprogramm.de). Dabei wurde das Forschungsprogramm zu gleichen Teilen vom Bundesumweltministerium und den Mobilfunkbetreibern mit 17 Mio. Euro gefördert. Gemäß des Bundesamts hatten die Mobilfunkbetreiber trotz der anteiligen Finanzierung weder ein Mitspracherecht bei der Auswahl der Forschungsprojekte noch bei der Auswertung der Ergebnisse.

Generell sollte man bei allen Studien rund um die Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung stets hinterfragen, inwieweit die Anbieter ihre Finger im Spiel haben. „Es gibt Untersuchungen, die feststellen, dass industriefinanzierte Mobilfunkstudien meist keine Effekte finden, im Gegensatz zu Studien, die unabhängig oder ausschließlich aus öffentlichen Geldern finanziert werden“, berichtet Peter Hensiger. Wer zahlt, bestimmt also über das Ergebnis. „Solche Vorgänge sind aus der Tabak-, Pharma- oder Genforschung hinlänglich bekannt“, so Hensinger. Darüber hinaus bemerkt Peter Nießen vom EMF-Institut, dass Mobilfunkanbieter oder Handyhersteller keine ergebnisoffenen Studien finanzieren. Vielmehr seien die geförderten Studien schon so angelegt (Untersuchungsumfang etc.), dass sie gar kein statistisch signifikantes Ergebnis liefern können. „Die Ergebnisse solcher Studien sind nicht etwa „gefälscht“ bzw. die Endaussagen „gelogen“, vielmehr werden die tatsächlichen Ergebnisse durchweg falsch interpretiert“, glaubt Nießen. Und auch die Medien bekommen ihr Fett weg: Ein Bericht „Schon wieder eine Studie, die kein wissenschaftlich verwertbares Ergebnis gebracht hat“ sei keine Meldung wert. Demgegenüber errege ein Bericht „Kein Zusammenhang zwischen Handytelefonieren und Hirntumoren nachgewiesen“ mehr Aufmerksamkeit und werde laut Peter Nießen von der Mobilfunkindustrie gerne mit einer Anzeige belohnt.

Internationale Langzeitstudie

Im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms fand außerdem eine Beteiligung an der Interphone-Studie über mögliche Langzeitfolgen der Mobilfunknutzung statt. Diese Studie wurde im Jahr 2000 von der International Agency for Research on Cancer (IARC) mit dem Ziel initiiert, mögliche Risiken für die Entstehung von Hirntumoren durch den Gebrauch von Mobiltelefonen zu ermitteln. An der von der Weltgesundheitsbehörde (WHO) unterstützten Studie beteiligten sich weltweit Wissenschaftler aus 13 Ländern.

An der Interphone-Studie scheiden sich die Geister. Sie hat für die größte Untersuchungsgruppe – nämlich Personen, die Handys seit weniger als zehn Jahren nutzen – festgestellt, dass kein Zusammenhang zwischen Handynutzung und Hirntumoren nachweisbar ist. „Aber wen wundert das? Die Latenzzeiten für fast alle Tumorarten liegen bei zehn bis 20 Jahren“, betont Peter Nießen. Auch ist bei Personen mit Handy-Nutzungsdauern über zehn Jahren ein erhöhtes Risiko für Hirntumore erkennbar. Die Fallzahlen seien aber so gering, dass immer noch Interpretationsspielraum bleibt. „Möglicherweise aufgrund der im Vergleich zu heutigen Nutzerzahlen geringen Anzahl von Personen, die bereits vor zehn Jahren Handys intensiv genutzt haben“, fügt Nießen hinzu. Seiner Ansicht nach ist es vielmehr wichtig, dass sich nach mehr als zehnjähriger Nutzung ein Risiko andeutet. „Niemand weiß, wie das Ergebnis nach 20 oder 30 Jahren oder sogar nach einer lebenslangen Nutzung aussehen wird. Vor allem die intensive Handynutzung durch Kinder und Jugendliche erscheint somit problematisch“, so Nießen.

Da die Interphone-Studie für die Gruppe der Vieltelefonierer ein zweifach erhöhtes Tumorrisiko im Gehirn feststellte, stufte die WHO im Mai 2011 die Mobilfunkstrahlung in die Kategorie „möglicherweise krebserregend“ ein. Doch vielen geht diese Einstufung nicht weit genug. „Die Interphone-Daten sind veraltet, wenn man bedenkt, dass dort als starke Handynutzung lediglich 30 Minuten pro Tag über einen Zehn-Jahres-Zeitraum von 1994 bis 2004, also vor dem Handyboom, definiert wurde“, kritisiert Peter Hensinger. Heute werde weit mehr telefoniert. Laut Hensinger fanden neue schwedische Studien bei zehnjähriger Handynutzung ein sogar bis zu fünffach erhöhtes Risiko für Gliome, eine Art von Gehirntumor. Besonders gefährdet sind gemäß diesen Untersuchungen Personen, die bereits vor dem 20. Lebensjahr das Handy nutzen.

Grenzwertiger Schutz

Auch wenn es derzeit (noch) keinen hundertprozentigen Beweis für eine Gesundheitsschädigung durch Mobilfunk gibt, sollte man Vorsicht walten lassen. Neben eigenen Vorkehrungen (siehe Kasten „Tipps und Tricks“) hat der Gesetzgeber die Grenzwerte für eine Strahlenbelastung durch Mobilfunk klar geregelt. „Die in Deutschland gültigen Grenzwerte basieren auf wissenschaftlichen Empfehlungen von unabhängigen nationalen und internationalen Gremien und Institutionen, wie der Strahlenschutzkommission des Bundes (SSK) oder der Internationalen Kommission zum Schutz vor nicht ionisierender Strahlung (ICNIRP). Unsere Grenzwerte liegen um das 50-fache unterhalb der biologischen Wirkungsschwelle – das ist die Schwelle, bei der eine Wirkung auf den Menschen wissenschaftlich nachgewiesen ist“, erläutert Dagmar Wiebusch vom Informationszentrum Mobilfunk e.V. Nach Aussage der ICNIRP soll dieser Sicherheitsfaktor den Gesundheitsschutz auch für empfindliche Menschen wie Kranke, Kinder, Schwangere und Senioren garantieren.

Dass der geltende Grenzwert nicht das Maß aller Dinge ist, glaubt jedoch Peter Nießen: „Die internationale Strahlenschutzkommission ICNIRP ist eine rein private Vereinigung, die ihre Mitglieder (aus Kreisen der Mobilfunkindustrie, Anm. d. Red.) selbst ernennt. Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass sich die Meinung der ICNIRP seit Jahrzehnten nicht wesentlich ändert. Für den Gesetzgeber sind die Empfehlungen der Kommission ein bequemes Ruhekissen, um einer der wenigen verbliebenen Wachstumsbranchen keine Steine in den Weg zu legen.“

Anders als in Deutschland agieren andere europäische Länder weitaus umsichtiger. So gibt es in Frankreich ein Handyverkaufs- und Werbeverbot für Kinder und es laufen Versuche, die Strahlenbelastung durch die Sendeanlagen in den Städten zu verringern. In Südtirol gelten Schutzziele, die um das 4.000fache unterhalb der deutschen Grenzwerte liegen. „Und die EU fordert seit 2009 ein umfassendes Programm zur Vorsorge vor allem für Kinder, Jugendliche und Schwangere im Bereich der elektromagnetischen Felder, dessen Umsetzung der deutsche Strahlenschutz konsequent verweigert“, berichtet Peter Hensinger. Demgemäß fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland die Senkung des Grenzwertes von 10.000.000 Mikrowatt/qm auf 100 Mikrowatt/qm und einen medizinischen Vorsorgewert von 1 Mikrowatt/qm. „Das wäre ein Schritt, die Unverletzlichkeit der Wohnung vor der ungewollten Einstrahlung durch Mobilfunkmasten wieder herzustellen. Die mobile Handykommunikation könnte dabei übrigens immer noch gut gewährleistet werden“, schätzt Peter Hensinger.

Hersteller stehlen sich aus der Pflicht

Neben dem Gesetzgeber stehen die Hersteller von mobilen Endgeräten in der Pflicht. Mit der eingangs beschriebenen spezifischen Absorptionsrate, kurz SAR, wird die Energie, die pro Zeiteinheit im menschlichen Gewebe absorbiert wird, in Watt pro Kilogramm (W/kg) angegeben. Der Grenzwert liegt hier bei 2 W/kg. „Alle auf dem Markt befindlichen mobilen Endgeräte besitzen einen unterhalb dieses Werts liegenden SAR-Wert“, erklärt Dagmar Wiebusch. Allein unter den neueren Modellen existieren jedoch große Unterschiede. Während das Samsung Galaxy Note mit einem maximalen SAR-Wert von 0,26 zu den Spitzenreitern zählt, liegen die SAR-Werte beim iPhone 4S bei 0,98 und bei dem Nokia 700 (RM-670) sogar bei 1,43.

Die Zahlen zeigen: In der Praxis bemühen sich die Hersteller mobiler Geräte nur bedingt um eine Reduzierung der SAR-Werte. Beim Blick auf die Werte aktueller Smartphones, fallen die Ergebnisse hinsichtlich einer „Strahlungsarmut“ recht ernüchternd aus. „Gerade die neuen Smartphones haben oft höhere SAR-Werte als ältere Modelle“, bestätigt Peter Hensinger. Eine Einschätzung, die Peter Nießen teilt: „Meines Wissens bemühen sich die Hersteller nicht um eine Senkung des SAR-Werts, das Gegenteil ist der Fall.“ Denn ein wirklich strahlungsarmes Smartphone mit guten Funkverbindungseigenschaften sei zwangsläufig größer und schwerer als übliche Handys. Ein solches Gerät bräuchte eine sinnvoll platzierte Antenne und zusätzliches Abschirmmaterial in Richtung des Kopfes des Nutzers. „Solche Maßnahmen benötigen Platz, erhöhen das Gewicht und kosten Geld – und passen somit gar nicht in die Tendenz, Handys von Zigarettenschachtelgröße auf Streichholzschachtelgröße zu bringen“, erläutert Nießen.

Zudem betonen die Experten, dass die Bedeutung des SAR-Werts großen Raum für Fehlinterpretationen biete. „So weist die amerikanische Regulierungsbehörde FCC eigens darauf hin“, berichtet Dagmar Wiebusch, „dass ein geringerer SAR-Wert nicht notwendigerweise die Exposition des Nutzers verringert.“ Ausschlaggebend sei vielmehr der tatsächliche SAR-Wert, der bei einem Telefonat entsteht. Und der ist abhängig von der Qualität der Netzverbindung. Je besser die Verbindung desto geringer ist die Leistung, die gebraucht wird. Auch Peter Hensinger beäugt den SAR-Wert kritisch: „Er orientiert sich allein an den thermischen Wirkungen.“ Das Prüfmodell zur Berechnung des SAR-Werts sei ein mit Flüssigkeit gefüllter Plastikkopf gemäß den Maßen eines Mannes mit einem Körpergewicht von 100 kg und einer Größe von 1,88 m. Damit werde aber die Strahlungseinwirkung auf biologische Zellprozesse nicht erfasst.

Dauerbestrahlung via LTE

Nicht zuletzt liegt es in der Macht der Mobilfunkprovider, die Strahlung einzudämmen. Da deren gesamtes Geschäftsmodell auf einer flächendeckenden, störungsfreien Versorgung mit Mobilfunk basiert, kann man wohl kaum mit Aktivitäten rechnen, die eine solche Strahlung nachhaltig reduzieren. Vielmehr ist derzeit sogar das Gegenteil der Fall: Die Anbieter sind eifrig darum bemüht, die bestehenden rund 70.000 Mobilfunkstandorte in Deutschland auf den neuen Standard Long Term Evolution (LTE) umzurüsten bzw. geschätzte über 550.000 Sendeantennen umzumodeln. Die – wie man es nimmt – gute oder schlechte Nachricht: Strahlungstechnisch gibt es zumindest keinen Unterschied zwischen der bisher genutzten UMTS- und der künftigen LTE-Technologie. „Die abgestrahlten Leistungen von LTE sind mit denen von GSM- und UMTS-Basisstationen vergleichbar“, bestätigt Rudolf Boll, Leiter der Pressestelle der Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (BNetzA).

Zudem müssen für den Umstieg von UMTS bzw. HDSPA auf LTE großflächig wohl keine neuen Basisstationen errichtet werden. Dies bestätigt Dirk Ellenbeck von Vodafone Deutschland: „Für den LTE-Ausbau werden so gut wie keine neuen Basisstationen benötigt. Die ehrgeizigen Ziele, die wir uns beim Ausbau des LTE-Netzes gesetzt haben, werden mit der vorhandenen Infrastruktur erreicht. Deutschlandweit können bereits rund neun Millionen Haushalte in mehreren tausend Orten und Gemeinden die neue Mobilfunkgeneration nutzen. Wöchentlich kommen zahlreiche neu versorgte Orte und Gemeinden hinzu und in den nächsten Monaten sollen die weißen Flecken auf der Internetlandkarte verschwunden sein.“

Um Basisstationen möglichst unauffällig bzw. für die Bevölkerung kaum wahrnehmbar zu platzieren, bedienen sich die Mobilfunkanbieter teilweise ungewöhnlicher Methoden und beweisen großen Einfallsreichtum. So verstecken sich Mobilfunkantennen in Kirchtürmen, zwischen den Ästen hoher Bäume oder auf Hausdächern als Kamine getarnt. Einen Ausschnitt recht unorthodoxer Stationen findet man im Internet unter folgendem Link: http://umweltinstitut.org/elektrosmog/mobilfunk-info/versteckte-mobilfunkantennen.html

Generell unterliegen die von den Providern installierten Basisstationen oder Antennen, deren Sendeleistung mehr als zehn Watt beträgt, hierzulande den Bestimmungen der Verordnung über das Nachweisverfahren zur Begrenzung elektromagnetischer Felder (BEMFV). „Daher ist auch für den Betrieb von LTE-Standorten eine Standortbescheinigung der Bundesnetzagentur notwendig“, so Rudolf Boll. Die Hintergründe dieses Verfahrens erläutert Dirk Ellenbeck: „Der Betrieb von Mobilfunksendeanlagen oberhalb einer gesetzlich festgelegten Sendeleistung von 10 Watt EIRP ist ohne Zustimmung der Bundesnetzagentur nicht zulässig. Aufgrund der konkreten technischen Standortdaten prüft die Agentur in einem festgelegten Verfahren, ob die beantragte Anlage die gültigen Grenzwerte zum Schutz von Personen vor elektromagnetischen Feldern einhält; und das bei der theoretisch maximal möglichen Leistung.“ In einem Standortbescheinigungsverfahren werden dann die Sicherheitsabstände um die jeweilige Antennenanlage ermittelt. Zur Ermittlung dieser Abstände stellt Vodafone alle für die Sicherheitsbetrachtung relevanten Betriebsdaten der Anlage der Bundesnetzagentur zur Verfügung. Und man stellt laut Ellenbeck sicher, dass diese Bereiche nicht von der allgemeinen Bevölkerung betreten werden können.

Abschließend sei bemerkt, dass die Risiken von Mobilfunkstrahlung hiesigen Providern wohl schwer im Magen liegen. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich von uns befragte Mobilfunkanbieter in Schweigen hüllen oder eine lapidare, unpersönliche Standard-E-Mail zurücksenden, allein mit Verweisen auf die eigene (geschönte) Webseite und die offiziellen Informationen der Bundesnetzagentur. Allein Dirk Ellenbeck von Vodafone Deutschland besaß die Traute und antwortete ausführlich auf unsere Fragen, wie die zitierten Passagen zeigen.

Nützliche Infos

Wie hoch ist der SAR-Wert (spezifische Absorptionsrate; hiesiger Grenzwert liegt bei 2 W/kg) des genutzten Smartphones?
Unter folgendem Link lassen sich die Werte aktueller Modelle finden:
www.handywerte.de

Wie viele Mobilfunkmasten gibt es im direkten Büro- oder Wohnumfeld?
Durch die Eingabe der Postleitzahl erscheinen die genehmigungspflichtigen Basisstationen in unmittelbarer Umgebung:
http://emf2.bundesnetzagentur.de/karte.html

Glosse: Völlig verstrahlt – eine Selbstbeobachtung
Von Ina Schlücker

Der Alltag beginnt bei mir um 7 Uhr morgens in einer komplett per WLAN vernetzten Wohnung. Während des Kaffeetrinkens fällt ab und an ein Blick auf die Webseiten verschiedener Nachrichtenkanäle – am liebsten via Tablet-PC. Dann geht es auf in die Redaktion. Aufgrund des Fehlens eines eigenen fahrbaren Untersatzes werden die rund 25 Kilometer zur Arbeitsstelle mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Dies bedeutet eine knapp 50 Minuten lange Bahnfahrt einmal quer durch Köln nach Bergisch Gladbach. In einem Selbsttest zählte ich dabei alle sichtbaren Mobilfunkmasten. Herauskam die stolze Anzahl von 19, wobei ein Teil der Strecke per U-Bahn zurückgelegt werden muss. Doch auch unterirdisch hat man inzwischen (fast) durchgehend guten Empfang. Die Zeiten, als man seinen Gesprächspartner auf ein jähes Ende des Telefonats vorbereitete, als man unter die Erde fuhr, sind längst vorbei.

Endlich in der Redaktion angekommen befinde ich mich wieder inmitten eines kabellosen Netzwerks. Hinzukommen die mobilen Endgeräte der Kollegen – bevorzugt Smartphones und Tablets –, die griffbereit auf jedem Schreibtisch liegen. Der Supergau spielt sich jedoch vor der großen Fensterfront der Redaktion ab: In rund 150 Metern Entfernung thront ein sehr, sehr hoher Mobilfunkmast auf einer leichten Anhöhe. Damit ist klar, dass wir hier rund um die Uhr den besten Mobilfunkempfang weit und breit erhalten. Denn während man unterhalb der Antennen wesentlich weniger hochfrequenten elektromagnetischen Wellen ausgesetzt ist, trifft – Sie ahnen es bereits – der gebündelte Hauptstrahl mit leichter Abwärtsneigung meist die oberen Stockwerke der Nachbargebäude, sprich unsere Redaktionsräume.

Nach getaner Arbeit geht es abends dann auf demselben verstrahlten Weg zurück, den ich morgens gekommen bin. Vielleicht ist noch ein kleiner Abstecher in einen Biergarten, eine Kneipe oder ein Café geplant. Natürlich bieten solche Lokalitäten ihren Gästen einen kostenfreien Hotspot an. Zuhause angekommen befinde ich mich erneut im WLAN, wobei der komplett verstrahlte Tag nun fast geschafft wäre. Es gilt, noch schnell den Wecker zu stellen. Hierzu nutze ich natürlich mein Smartphone. Der Nachteil: Der Wecker funktioniert nur, wenn das Gerät eingeschaltet ist. Deshalb liegt das Device sogar im Schlafzimmer immer griffbereit und nimmt auch im Standby-Modus munter alle ein bis zwölf Stunden Funkkontakt mit der Basisstation auf.

Sie sehen, mein Alltag ist von Mobilfunkstrahlung nur so durchzogen. Allein aufgrund der großen Verbreitung von Sendemasten im Kölner Stadtgebiet kann ich mich einer Verstrahlung jedoch kaum entziehen. Aber immerhin sind erste kleine Maßnahmen bereits in die Wege geleitet: Dauertelefonate sind ab sofort tabu, das Headset ist mein ständiger Begleiter, das WLAN in der Wohnung wird nur bei Bedarf eingestellt (die WLANs der benachbarten Wohnungen durchdringen hoffentlich nicht allzu intensiv unsere Wände) und ein neuer Wecker ist auch schon besorgt – so richtig altmodisch, einer zum Aufziehen.

Tipps und Tricks:

Wie entkommt man der Mobilfunkstrahlung?

Elektromagnetische Felder, die beim Telefonieren mit Handys in Körpernähe auftreten, sind im Allgemeinen sehr viel stärker als die Felder, denen man zum Beispiel durch Mobilfunkbasisstationen ausgesetzt ist. Daher hält es das Bundesamt für Strahlenschutz für wichtig diese Exposition so gering wie möglich zu halten und gibt folgende Tipps:

  • Wann immer es möglich ist, mit dem Festnetztelefon statt dem Handy telefonieren
  • Mobilfunktelefonate möglichst kurz halten
  • Nicht bei schlechtem Empfang, z.B. aus Autos ohne Außenantenne, telefonieren. Die Leistung, mit der das Handy sendet, richtet sich nach der Güte der Verbindung zur nächsten Basisstation. Die Autokarosserie verschlechtert die Verbindung und das Handy sendet deshalb mit einer höheren Leistung.
  • Mobile Endgeräte verwenden, bei denen der Kopf möglichst geringen Feldern ausgesetzt ist. Die entsprechende Angabe dafür ist der SAR-Wert (spezifische Absorptionsrate, siehe „Nützliche Links“).
  • Nutzung von Headsets: Die Intensität der Felder nimmt mit der Entfernung von der Antenne schnell ab. Durch die Verwendung von Headsets wird der Abstand zwischen Kopf und Antenne stark vergrößert.
  • Verstärkte Nutzung von E-Mail- und SMS-Möglichkeiten
  • Handytelefonate bei Kindern so weit wie möglich einschränken

Quelle: www.bfs.de http://www.mobilebusiness.de

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